12. September 2017

„Freiheit“: Kunstpreis Ennepe-Ruhr 2017 vergeben

Die anwesenden Preisträger - Till Hausmann fehlte - mit den Jury-Mitgliedern Sabine Kelm Schmidt und Rosie Wolf-Laberenz. Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

„Die sieben Sachen der Flucht“ machten Till Hausmann zum Preisträger. Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Peter Mäder, Wolfhard Lieber und Ralf Friedrich zerlegten Klassiker der Filmgeschichte und bauten sie grafisch reduziert neu zusammen. Da der Effekt auch von der Soundbearbeitung lebt, kann ein Bild die künstlerische Leistung nur ungenügend wieder geben. Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Das Werk „Dinge, die in Freiheit passieren“ ist kaum in ein Bild zu setzen. Schließlich dokumentiert Philipp Valenta scheinbar das Geschehen auf den zwei Straßen im Kreis, die als „Freiheit“ benannt sind. Neben den Videoarbeiten werden Texte und Soundfragmente von Anwohnern eingesetzt. Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Angelika Wischermann sorgte mit ihrer Performance „Mit Hammer und Meißel“ für Gesprächsstoff. Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis

Till Hausmann (Düsseldorf/Schwelm), die Gruppe Leuchtstoff (Witten) und Philipp Valenta (Hildesheim/Hattingen) - sie sind die drei gleichberechtigten Gewinner des Kunstpreises Ennepe-Ruhr 2017.

 

Hausmann war mit seiner Installation „Die sieben Sachen der Flucht“ erfolgreich. Leuchtstoff überzeugte die Jury mit ihrer Projektion „Two Tales“, Valenta mit den Videodokumentationen „Dinge, die in Freiheit passieren“ und der Installation „Limited Access“. Diese Arbeiten hatten für die Jurymitglieder im Vergleich zu den Beiträgen der übrigen 17 Künstler und mit Blick auf das Thema „Freiheit“ die Nase vorn. Neben dem Preis erhielten die Ausgezeichneten jeweils 1.500 Euro.

 

„Wer die Werke bei der Präsentation in Hattingen gesehen hat oder bis Mitte Oktober die Ausstellung im Kreishaus besucht, der wird mir zustimmen: Überaus facettenreich, kreativ und überraschend haben sich die Künstler mit ´Freiheit´ auseinandergesetzt. Die sprichwörtliche ´Vogelfreiheit´ wird genauso thematisiert wie der Bau von neuen Grenzzäunen. Manche Arbeiten rücken die Dramen, die sich tagtäglich im Mittelmeer abspielen, in den Fokus. Andere nehmen Freiheit individualistischer in den Blick.“ Vor mehr als 80 Gästen im bestens besuchten Foyer des Kreistagssitzungssaales zeigte sich Sabine Kelm-Schmidt, stellvertretende Landrätin, inmitten der Bilder, Skulpturen und Installationen beeindruckt.

 

Ihre Einladung mit den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen, stieß bei den Gästen auf große Resonanz. An vielen Stellen wurde lebhaft über Werke und Aussageabsichten, verwendete Materialien und Arbeitsweisen diskutiert. Dabei standen nicht allein die Preisträger im Fokus. So sorgte unter anderen Angelika Wischermann für Aufsehen. Im Rahmen ihrer Performance „Mit Hammer und Meißel“ befreite die gebürtige Herdeckerin ihre Füße aus einem zuvor gegossenen Gipsblock.

 

Thema war zudem, dass die Installation „Limited Access“ in Schwelm nicht zu sehen ist. Ein mehrere Meter langes und von Preisträger Valenta selbst genähtes rot-weiße Absperrband als Teil des Werkes hat sich die Freiheit genommen, mit dem Abbau in Hattingen zu verschwinden. Ein kurzfristiger Ersatz war unmöglich, die Präsentation im Kreishaus muss folglich ohne diese ausgezeichnete Arbeit auskommen.

 

An der seit 2011 vierten Auflage des Kunstpreises Ennepe-Ruhr hatten sich 101 Teilnehmer beteiligt. Sie legten der Jury mehr als 200 Zeichnungen, Fotografien und Gemälde, Skulpturen, Installationen und Videoprojektionen vor. Dr. Hans Günter Golinski (Direktor Kunstmuseums Bochum), Sabine Kelm-Schmidt, Christiane Nicolai (Kunstverein Hattingen), Dr. Gerd Buhren (Kunstverein Witten). Michael Schlieper (Kunstraum EN) sowie die Künstler Stephan Marienfeld und Rosie Wolf-Laberenz wählten daraus die 20 Teilnehmer für die Ausstellungen und letztendlich auch die drei Preisträger aus. Teilnahmeberechtigt waren diejenigen, die ihren Hauptwohnsitz im Kreis haben, hier geboren wurden oder eine längere Zeit an Ennepe und Ruhr zu Hause waren.

 

Gefördert wurde der diesjährige Kunstpreis von der AVU, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Volksbank Sprockhövel. Die Ausstellung im Foyer des Sitzungstraktes des Kreishauses, Hauptstr. 92, ist bis Dienstag, 17. Oktober, montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

 

 

Stichwort Preisträger 2017

 

Till Hausmann

1953 geboren in Schwelm

1974 - 1982 Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi

Meisterschüler, Staatsexamen

Lebt und arbeitet in Düsseldorf

Ausstellungen (Auswahl)

2012 Zeitzeuge Holz, Kulturkreis Eppstein

2015 Neue Skulpturen für Trier, Kunstdünger e.V., Trier

2016 1. Preis beim Wettbewerb zur Neugestaltung von Prinzipalien der Dietrich-Bonhoeffer- Kirche, Köln-Lindenthal

2017 Ampelnistkasten, Kunstverein Nordkanal, Kaarst

DIE GROSSE Kunstausstellung NRW, Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

Gruppe Leuchtstoff

Peter Mäder, Wolfhard Lieber und Ralf Friedrich

1982 Gründung der Künstlergruppe

Seitdem bewegt sie sich im Spannungsfeld von Foto, Video, Audio, Performance, Plastik und Installation. Der Arbeitsschwerpunkt liegt bei den neuen Medien.

Ausstellungen (Auswahl)

2003 Spitze des Eisbergs, Kunstverein Siegen

2010 Surroundings, Konzert und Film, Düsseldorf

Ruhr 2010 verschiedene Orte

2014 Witten/800 Jahre, VHS-Kiosk

2015 Kunstraum Hillscher Garten, Kunstverein Hattingen

2016 blicke (24) " lmfestival des ruhrgebiets, Bochum

 

Philipp Valenta

1987 geboren in Hattingen

2012 Diplom Freie Kunst, Bauhaus-Universität Weimar

2014 Gastsemester Kunstakademie Münster, Klasse Löbbert

2015 International Artist-in-Residence-Programme Guernse

2016 DEW21-Förderpreis

2017 Master Metallgestaltung, HAWK Hildesheim

2017 JUSTMAD-Residence, Avilés, Spanien

Ausstellungen (Auswahl)

2014 das junge museum, Bottrop

2014 „Money Works 2“, Haus am Lützowplatz, Berlin

2015 Kunstpreis Ennepe-Ruhr 2015, Herdecke und Schwelm

2016 „Fame and For tune“, Stadtmuseum Hattingen

2016 „Financial World“, Gate House Galler y, St Peter Por t, Guernsey

2017 „Dreißig Silberlinge – Sammlung Haupt“, Mannheimer Kunstverein

2017 „Let‘s buy it“, LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

 

 

Stichwort Weitere Ausstellungsteilnehmer

 

Michael Barth (Schwelm), Tanja Bremer (Hattingen), Marko Dowald (Ennepetal), Teye Gerbracht (Düsseldorf), Bernd Gichtbrock (Witten), Andrea Hüsken (Ennepetal), Gudrun Kolibius-Best (Herdecke), Carola Lantermann (Hauenstein), Ingrid Leukers-Bölicke (Sprockhövel), Jürgen Mans (Dortmund), Gabriele Reckhard (Schwelm), Renate Schieck (Witten), Holger Vockert/Lutz Deterra (Hattingen), Roland Wagner (Wetter), Knut Waschkau (Herdecke), Sebastian Wien (Dortmund) und Angelika Wischermann (Wien).

 

Text: Ennepe-Ruhr-Kreis