Wetter und Herdecke setzen Zeichen gegen Nahversorgungszentrum in Vorhalle

Der Herdecker Ratssaal von außen, Archivfoto.
Der Herdecker Ratssaal von außen, Archivfoto.

Die Stadt Wetter (Ruhr) plant, gegen das Bauvorhaben des sogenannten Nahversorgungszentrums in Hagen-Vorhalle eine Klage einzureichen. Der Rat hat in seiner Sitzung am Donnerstag mit deutlicher Mehrheit seine Zustimmung signalisiert. Aller Voraussicht nach wird auch die Stadt Herdecke diese Klage unterstützen. Der Rat in Herdecke hat am Donnerstagabend diesem Weg ebenfalls einmütig zugestimmt.

Dabei richtet sich die geplante Klage nicht grundsätzlich gegen das Nahversorgungszentrum, sondern nur gegen die geplante Größe. Das Vorhaben wird sowohl in Herdecke als auch in Wetter als zu groß dimensioniert kritisiert. Es bestehen gravierende Zweifel, ob das geplante Nahversorgungszentrum eine standortangemessene Verkaufsfläche aufweist. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass das geplante Nahversorgungszentrum negative städtebauliche Auswirkungen auf den Zentralen Versorgungsbereich (ZVB) Herdecke Mitte und den entsprechenden Versorgungsbereich in Alt-Wetter hat. Diese Bedenken wurden von der Stadt Hagen auch nach einem interkommunalen Arbeitsgespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Städte Hagen, Wetter und Herdecke nicht zum Anlass genommen, das Konzept anzupassen.

 

Was ist in Vorhalle geplant?

Die Stadt Hagen beabsichtigt im Stadtteil Hagen-Vorhalle ein Nahversorgungszentrum an der Ophauser Straße zu errichten. Das Konzept sieht im Wesentlichen die Neuansiedlung eines Vollsortimenters (EDEKA) mit einer Verkaufsfläche von 1.620 qm, eine Standortverlagerung und Erweiterung der Verkaufsfläche eines Discounters (Aldi) von 800 qm auf 1.220 qm sowie die Neuansiedlung eines Drogeriefachmarktes (Rossmann) in der alten Aldi-Immobilie mit einer Verkaufsfläche von 720 qm vor. Die Verkaufsfläche beträgt damit insgesamt 3.560 qm. Die Gebäude sind um einen zentralen Parkplatz mit 171 Stellplätzen angeordnet.

Die Stärkung der Nahversorgung in Hagen-Vorhalle über die Verbesserung der Angebotsstruktur ist grundsätzlich berechtigt und wird von Wetter und Herdecke nicht in Frage gestellt und schon gar nicht kritisiert. Es gibt jedoch einen „Regionalen Konsens“ im Rahmen des Regionalen Einzelhandelskonzepts, der klare Verabredungen enthält. Der Stadtteil Hagen-Vorhalle erfüllt die Funktion eines Nahversorgungszentrums, hat also die Aufgabe in einem Umkreis von ungefähr einem Kilometer die Bewohnerinnen und Bewohner zu versorgen. Die Größe des geplanten Vorhabens mit 171 Parkplätzen widerspricht dem zwischen den Kommunen abgestimmten Konsens und wird Prognosen eines Einzelhandelsgutachters zu Folge negative Auswirkungen auf die Innenstädte in Herdecke und Wetter haben. Diese erfüllen nämlich im Rahmen des Zentrenkonzeptes für zentrale Versorgungsbereiche im Gegensatz zu Vorhalle die Funktion eines sogenannten Hauptzentrums (oberste Kategorie), der die Bevölkerung im größeren Umkreis versorgen soll.

Wetters Bürgermeister Frank Hasenberg zeigt sich enttäuscht über das Vorgehen in Hagen-Vorhalle: „Was taugt denn ein regionaler Konsens, wenn er nicht eingehalten wird? Ich bedauere sehr, dass der Geist des regionalen Konsenses von Hagener Seite nicht gelebt wird. Die städtische Verwaltung und der Rat sind sich daher darin einig, mit der Klage ein deutliches Zeichen zu setzen, dass wir uns diesem Plan entgegen stellen.“

Herdeckes Bürgermeisterin Katja-Strauss-Köster sieht das ähnlich: „Ich bedaure sehr, dass wir im Vorfeld keine Einigung erzielen konnten. Die Stadt Herdecke hat sich stets an die Verabredungen des Regionalen Konsenses gehalten. Dies hätten wir uns auch von der Stadt Hagen gewünscht. Die Argumente der Städte Wetter (Ruhr) und Herdecke zur Anpassung der Verkaufsflächen wurden leider nicht gewürdigt, so dass im Interesse der Bürgerinnen und Bürger sowie der Geschäftsleute die Klage notwendig ist. Der Rat hat durch sein einstimmiges Votum Geschlossenheit in der Sache demonstriert.“