Adelssitze in Herdecke

Adelssitze sind Stein gewordene Zeugen einer längst vergangenen Zeit. In Herdecke gibt es viele dieser historischen Gemäuer. Einige davon sollen an dieser Stelle einmal kurz vorgestellt werden, um vielleicht auch ein wenig Neugierde zu wecken. Denn ein Besuch dieser Stätten lohnt sich auf jeden Fall. Gehen wir also auf eine kleine Entdeckungsreise...

Haus Mallinckrodt

Haus Mallinckrodt

Beginnen wollen wir unsere kleine historische Reise am Haus Mallinckrodt in Herdecke. Ganz im äußersten Westen von Ende steht das 1348 erstmals erwähnte Haus Mallinckrodt. Heimatforscher vermuten, dass die dortige Feldflur ehemals Mallingrode hieß. Daher dürfte sich auch die Bezeichnung des Hauses ableiten. Die Herren von Mallinckrodt, sie trugen übrigens früher den Namen von Mesekenwerke, stammten ursprünglich von der Burg Volmarstein und gehörten der dortigen Burgmannschaft an. Das älteste Haus Mallinckrodt war vermutlich aus Holz und Fachwerk errichtet worden. In den folgenden zwei Jahrhunderten aber erfolgten verschiedene Um- und Erweiterungsbauten. Im Jahre 1619 vernichtete eine Feuersbrunst das gesamte Anwesen. Ein Jahr später aber begannen die Besitzer bereits mit dem Neubau, ein einfacher Bau, der noch heute an der Südseite des Burghofes steht. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts diente das Haus Mallinckrodt als ständiger Wohnsitz. Sein heutiges Aussehen erhielt die Burg übrigens erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Haus Ende

Haus Ende

Im Norden des Herdecker Stadtgebietes liegt verwunschen in einem weitläufigen Park das Haus "Ende" im Ortsteil Ostende. Das Haupthaus, ein repräsentatives Gebäude, wurde von Kommerzienrat und Generaldirektor der Harpener Bergbau AG Robert Müser als Bauherr in Auftrag gegeben. Mit dem Bau des Hauses und dessen Nebengebäude in den Jahren 1912/13 entstand auch ein circa acht Hektar großer Park. Das Anwesen wird in der Denkmalliste der Stadt Herdecke als "höchst eigenwillige Synthese aus amerikanischem Landsitz und französischem Schlossbau des Barocks mit mannigfachem Jugendstil" geschildert. Nach dem zweiten Weltkrieg diente das Haus zunächst als Heim für ledige Mütter, später als Erholungsheim. Seit 1982 entstand hier unter Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt eine Schule für Zivildienstleistende.

Haus Schede

Gut Schede

Weiter geht die Reise zum Haus Schede nahe der Stadtgrenze zu Wetter. Inmitten ausgedehnter Wälder und Ländereien blickt das Haus auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Teilbereiche des bäuerlichen Ahnenerbes deuten auf Erweiterungsbauten aus dem frühen Mittelalter hin. Erst im späten 17. Jahrhundert entstand die heutige Gestalt. Hoch über der Ruhr auf einem zum Gut Schede gehöhrenden Bergsporn liegt einer der bedeutensten Industriepioniere des Ruhrgebietes, wenn nicht gar ganz Deutschlands, begraben: Friedrich Harkort. Entstanden ist die architektonisch sehr aufwändig gestaltete Erbgruft um die Jahre 1860/70. Noch heute befinden sich Haus und Gut im Besitz der Familie Harkort.

Haus Callenberg

Haus Kallenberg

Nächste Station ist Haus Callenberg am westlichen Abhang des Kallenberges oberhalb des Ender Mühlenberges. Dort erbaute die Familie Vaerst einst ihren Wohnsitz. In einem Erbteilungsvertrag wird das Haus bereits 1362 erstmals erwähnt. Die Herren von Vaerst besaßen einst gar grundherrschaftliche Rechte in Ende. Außerdem hatten sie das Kirchenpatronat für Kirchende inne. Abbildungen, die das ehemalige Aussehen des Rittersitzes verdeutlichen könnten, existieren nicht mehr. Eine Flurkarte aus dem Jahr 1765 aber zeigt zwei nebeneinander stehende Gebäude von ihrer Giebelseite und einen prächtigen Turm. Daraus ist zu schließen, dass der frühere Gebäudekomplex schon sehr umfangeich gewesen sein dürfte. Das einzig noch erhaltene Gebäude ist das ehemalige Herrenhaus, das heute als Wohnsitz für einen landwirtschaftlichen Betrieb dient. Seinen Baubeginn schätzen Forscher um das Jahr 1700. Ein Großbrand am 1. Mai 1978 vernichtete ein wohl weitaus älteres Gebäude. Es wurde nie wieder aufgebaut.