Brücken über der Ruhr

Brücken versinnbildlichen den Aufbruch zu neuen Ufern und sind gleichzeitig verbindendes Element für das Zusammenleben der Menschen - für Handel, Wandel und Gesellschaft. Eingebettet in das dynamische Wechselspiel von Bergen und Tälern, weiten Flussniederungen und engen Schluchten sind die Städte im Ruhrtal von alters her auf gelungene Brückenschläge angewiesen.

Viadukt in Herdecke

Eines der auffälligsten Wahrzeichen des Ruhrtals ist der Herdecker Viadukt, welcher zu Recht als Baudenkmal erster Güte gilt. Markant und majestätisch überspannt die 313 Meter lange Sandstein-Konstruktion in luftiger Höhe von fast 30 Metern den Harkortsee zwischen Herdecke und Hagen. Ganze 24.400 Kubikmeter Mauerwerk wurden in der imposanten Konstruktion verbaut. Das benutzte Bruchsteinmaterial stammte vorwiegend aus nahen Herdecker Sandsteinbrüchen.

Viadukt mit Dampfzug
Viadukt und Cuno
Ein beliebtes Fotomotiv: der Viadukt

1879 fuhren die ersten Fahrgäste über das Meisterwerk der Bautechnik mit seinen 12 halbkreisförmigen Bögen von je 20 Metern Spannweite. Zu jener Zeit natürlich noch unter Dampf. Der Viadukt in Herdecke war Teil der Strecke Düsseldorf-Dortmund der "Rheinischen Eisenbahn", die lange Zeit die wichtigste Lebensader für die Menschen in den Städten der Region war. Zu Ende des zweiten Weltkriegs erfuhr die Brücke gleich zweifach massive Zerstörungen. Im Mai 1943 wurde ein ganzer Pfeiler beim Bruch der Möhne-Sperrmauer vom Hochwasser unterspült und weggerissen. Zwei Jahre später kurz vor Kriegsende, wurde der Viadukt von der Wehrmacht gesprengt und nahm erneut großen Schaden. Er wurde jedoch schnell wieder originalgetreu aufgebaut. Dem Druck des im Pegelstand sehr unterschiedlichen Ruhrwassers hält die Brücke durch ihre sehr ausgefeilte Konstruktion mit Verstärkungen im Fußbereich jeder Säule stand. Mittlerweile hat das Baudenkmal Sanierungen mit Beton erhalten, aber dadurch nichts von seiner Faszination verloren.

Spaziergänger auf der Brücke am Schiffwinkel
Der Hengsteysee aus der Luft

Eine Brücke also, die keine Angst, sondern Spaß macht und sowohl den Betrachtern am Ruhrufer als auch den Fahrgästen in den stündlich zwischen Dortmund und Lüdenscheid verkehrenden Zügen gehörigen Respekt abverlangt - letzteren allerdings mit der weitaus besseren Aussicht. Ein Brückenschlag ganz anderer Art gelang mit der Stahlgitterbrücke am Stauwehr des Hengsteysees in Herdecke. 1928 gebaut, dient sie auch heute noch als Eisenbahnbrücke zur Versorgung des Koepchenwerks und als wichtige Fuß- und Radwegeverbindung vom Hagener Norden zu den Naherholungsgebieten in Herdecke.