Klimapartnerschaft

Herdecker Delegation zu Workshops auf den Philippinen

Das Herdecker Team (Jörg Piontek-Möller, Fabian Haas, Dr. Ralf-Rainer Braun, von links) gemeinsam mit ihren Kollegen aus Dumangas bei einem Workshop.

Die Stadt Herdecke hat im Jahr 2015 eine kommunale Klimapartnerschaft mit der Stadt Dumangas auf den Philippinen geschlossen.

 

Zu einem ersten Austausch flogen im Sommer 2016 der städtische Klimaschutzmanager Jörg Piontek-Möller, Fabian Haas, Leiter des Büros für Rats- und Verwaltungsangelegenheiten und Dr. Ralf-Rainer Braun als zivilgesellschaftliche Begleitung in das 10.700 km entfernte Dumangas.

 

Vor Ort trafen sie mit Verantwortlichen der Region zusammen, wirkten an Workshops mit und knüpften wichtige Kontakte.

 

Abfallentsorgung auf den Philippinen: eine wilde Müllkippe in einem Ortsteil von Dumangas.

Ziel des Projektes „50 kommunale Klimapartnerschaften“ ist, dass deutsche Kommunen mit Regionen und Kommunen in Entwicklungs- und Schwellenländern gemeinsame Handlungsprogramme zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung entwickeln. Die Idee dazu stammt vom Herdecker Dr. Klaus Reuter, der als Geschäftsführer der LAG 21 (Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW) mit dem Städtetag, dem Städte- und Gemeindebund sowie dem Landkreistag Unterstützer gefunden hat.  Projektgeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Gemeinsam mit seinem Kollegen Moritz Schmidt war Dr. Klaus Reuter auch für knapp 10 Tage mit in Südostasien.

 

In einem Auftaktworkshop kamen zunächst die Vertreterinnen und Vertreter aller teilnehmenden Kommunen in Munoz zusammen. In der fünften und letzten Phase des Klimaprojektes geht es ausschließlich um Patenschaften im asiatischen Raum. So trafen unter anderem Werningeroder, Marburger und Lichtenberger mit Partnern aus Vietnam, Nepal und den Philippinen zusammen. Für die Herdecker Delegation ging es nach drei Tagen dann via Inlandsflug von Munoz weiter auf die Nachbarinsel Panay, auf der Dumangas im Süden liegt. Die Hafenstadt hat eine Küstenlinie von mehr als 21 Kilometern und 66.000 Einwohner, die sich auf einer Fläche von fast 129 Quadratkilometer verteilen, wobei davon nur 4 Prozent Siedlungsflächen sind. 80 Prozent der Bevölkerung sind katholisch.

 

Typische Wohnhäuser in der Innenstadt von Dumangas. Das Abwasser aus den Haushalten wird einfach in den Fluss geleitet.

Empfangen wurden die Ruhrstädter vom Bürgermeister Ronaldo Golez im Rathaus zu Dumangas. In ersten Gesprächen lernten wir Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Climate Field School kennen.

 

Es ist die erste Schule dieser Art auf den Philippinen, wo es vorwiegend um den Reisanbau geht, der neben der Fischerei - hauptsächlich über Aquakulturen - eine der wichtigsten wirtschaftlichen Zweige der Insel sind.

 

Der Reisanbau stellt eine der wichtigsten wirtschaftlichen Betätigungen des Landes dar.

Schnell wurden erste Handlungsfelder ausgemacht. „Wir haben sehr zügig von unseren philippinischen Partnern erfahren, wo konkret Handlungsdruck besteht“, erläutert Dr. Ralf-Rainer Braun und nennt erste Beispiele. So könnten mit überschaubarem Aufwand die alten Dieselpumpen auf den Reisfeldern durch effizientere und umweltschonendere Solarpumpen ersetzt werden. Weitere große Probleme gibt es auf den Gebieten der Abfall- und Abwasserentsorgung. Die Vertreter aus Dumangas haben nicht nur Probleme erkannt, sondern sind auch motiviert, an einer Verbesserung zu arbeiten.

 

Delegation aus Dumangas zu Gast in Herdecke

Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez überreicht Frank Zagler die Landmarke.

Im Herbst 2016 war die Delegation aus Dumangas zu Gast in Herdecke. Ronaldo Golez, Bürgermeister der philippinischen Stadt Dumangas, hatte gemeinsam mit Mr. Eugenio Decastillo Jr. und Ms. Flosel Piad-Almirante den weiten Weg nach Herdecke auf sich genommen, um die Ruhrstadt kennenzulernen und sich auszutauschen.

 

Am ersten Tag des Gegenbesuches kamen die Gäste aus Dumangas mit Verantwortlichen der Herdecker Stadtverwaltung im Rathaus ins Gespräch. Außerdem überreichte Frank Zagler, 1. Beigeordneter in Herdecke als Gastgeschenk eine Flasche Sackträgerschnaps sowie süße Spezialitäten. Im Gegenzug überreichte Ronaldo Golez die Urkunde mit der besiegelten Klimapartnerschaft. Außerdem hatte Dumangas‘ Bürgermeister die symbolische Landmarke im Gepäck.

 

 

Andreas Schliepkorte, Mr. Eugenio Decastillo Jr. (Dumangas), Dieter Joachimi, Annette Althaus, Ms. Flosel Piad-Almirante (Dumangas), Fabian Haas, Ronaldo Golez (Dumangas), Robert Sleath, Jörg Piontek-Möller, Frank Zagler, Lars Heismann, Daniel Matißik
Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez überreicht Frank Zagler die Landmarke.

Bürgermeistern Dr. Katja Strauss-Köster lud die philippinischen Gäste zudem ein, sich im Goldenen Buch der Stadt Herdecke zu verewigen. „Es ist mir eine besondere Ehre, Sie in Herdecke empfangen zu dürfen“, freut sie sich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Herdecke (v.l.): Ms. Flosel Piad-Almirante (Dumangas), Klimaschutzmanager Jörg Piontek-Möller, Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez, Mr. Eugenio Decastillo Jr. (Dumangas) und Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster.

Bei den Gesprächen ging es vor allem um Gemeinsamkeiten und Unterscheide der beiden Kulturen. So hat Dumangas eine wachsende Bevölkerung im Gegensatz zum vom demografischen Wandel betroffenen Herdecke.

 

Besonders interessiert zeigte sich Ronaldo Golez beim Thema Müllentsorgung, Mülltrennung und Recycling, denn Flaschenpfand gibt es beispielsweise auf den Philippinen nicht. Gemeinsamkeiten hingegen gibt es beim Katastrophenschutz. Bei dem Besuch der Herdecker Feuerwache fand ein reger Austausch statt.

 

Bei einem gemeinsamen Workshop am zweiten Tag standen Ziele und die Ausarbeitung des gemeinsamen Handlungsprogramms im Fokus. Dabei waren auch Vertreter der „Servicestelle Kommunen in der Einen Welt“ sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21) zu Gast. „Eines der größten und wichtigsten Themen der Klimapartnerschaft wird die Bewässerung in Dumangas sein“, erklärt Klimaschutzmanager Jörg Piontek-Möller.

 

Im Freibad wurde gemeinsam ein Baum gepflanzt (v.l.): Fabian Haas,  Ronaldo Golez (Dumangas), Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster, Mr. Eugenio Decastillo Jr. (Dumangas), Michael Rösner und Ms. Flosel Piad-Almirante (Dumangas).

Aktiv wurde die Delegation ebenfalls in der vergangenen Woche und pflanzte gemeinsam einen Bergahorn auf dem Gelände des Herdecker Freibades. Im Ausschuss für Umwelt und Klima war die Delegation aus Dumangas zu Gast und präsentierte gemeinsam mit Jörg Piontek-Möller das Klimaschutzprojekt.

Im Juni 2017 besiegelten Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster und Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez die Klimapartnerschaft mit einem Freundschaftsvertrag.

 

Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster (vorne rechts) und Dumangas Bürgermeister Ronaldo Golez  (vorne links) unterzeichnen den Freundschaftsvertrag.

Mit diesem Vertrag haben beide Städte die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung in Bezug auf Klimaschutz und Klimaanpassung besiegelt. Zum ersten Mal dabei war bei diesem zweiten Besuch aus Dumangas auch der stellvertretende Bürgermeister aus Dumangas, Ian Dolutan. Er selbst ist ein Farmer in Dumangas und kann so viele Erfahrungen in den Austauschgesprächen und Workshops, die in der Zeit des Besuches in Herdecke auf dem Programm stehen, mitteilen. Auch Ricardo Marfiga ist erstmals mit dabei. Er gehört zum so genannten weltweiten Netzwerk ICLEI (International Council for Local Environmental Initiatives), ein Verband von Städten und Gemeinden für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung.

 

Bei dem Besuch im Juni 2017 ging es vor allem darum, in Gesprächen und Workshops einzelne Projekte zu konkretisieren. Zum Auftakt der Aktion Stadtradeln nahm die Delegation aus Dumangas auch gemeinsam mit Klimaschutzmanager Jörg Piontek-Möller an der Sternfahrt von Herdecke nach Hagen teil.

 

Auch eine Informationsveranstaltung fand im Rahmen des Besuchs im Ratssaal statt, bei der sich Interessierte einen Eindruck von der zukünftigen Zusammenarbeit machen konnten.

 

... so geht es weiter...

Im weiteren Projektverlauf sind noch zwei Besuche avisiert. Bis spätestens Ende 2017 wird – vorbehaltlich der politischen Beschlüsse - ein gemeinsamer Aktionsplan erarbeitet, aufgestellt und durch die Städte besiegelt. Für die darin genannten Projekte gilt es dann, Fördergelder zu beantragen. Das Bundesentwicklungsministerium stellt verschiedene Töpfe dafür bereit.

 

Noch 2017 sollen die in Dumangas bestehenden Diesel-Pumpen durch Solarpumpen ersetzt werden. Finanziert wird diese Maßnahme vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. „Wir haben gemerkt, dass wir in Dumangas mit wenig Aufwand in kurzer Zeit viel bewegen können!“, freut sich Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster über die effektive Zusammenarbeit. Zur Installation der neuen Pumpen wird eine Delegation aus Herdecke nach Dumangas zum Gegenbesuch anreisen.

 

Auch die Reisekosten zu den Workshops werden komplett vom Bund übernommen. Ziel der Herdecker Projektteilnehmer ist vor allem die Integration von Schulen in das Projekt. Aber auch die heimische Wirtschaft soll mit ins Boot genommen werden, um von der Partnerschaft partizipieren zu können. „Vor allem zeigen wir durch unser Engagement, dass wir eine gemeinsame Verantwortung haben“, fasst Dr. Ralf-Rainer Braun die Intention der Partnerschaft zusammen.