Einzelhandels- und Zentrenkonzept

Die Stadt Herdecke kann die ihr von der Landesplanung zugewiesene Funktion als Mittelzentrum trotz ihres sehr guten Rufes als Wohnort am Südrand des Ruhrgebietes aktuell nur bedingt erfüllen. So führt die räumliche Nähe zu starken Nachbarstandorten wie Hagen, Dortmund und Witten zu einem hohen Kaufkraftabfluss. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde auf einem Teil der Brachfläche der Firma Westfalia-Surge ein Neues Stadtquartier an der Ruhr entwickelt, das die Innenstadt nach Süden zur Ruhr hin erweitert und neben Wohn- und Dienstleistungsnutzungen auch etliche Einzelhandelsbetriebe beherbergt. Auf diese Weise wird das bestehende Einzelhandelsangebot der Innenstadt ergänzt.

Ein wichtiger Meilenstein zur Realisierung dieses neuen Quartiers war die Erstellung des Herdecker Einzelhandelskonzeptes durch die Firma BBE Handelsberatung aus dem Jahr 2006. Mit seiner Hilfe konnte im Vorhinein abgeschätzt werden, welche Konsequenzen sich aus der Planung ergeben würden. Im Rahmen der Konzepterarbeitung war zu prüfen, inwieweit es der Stadt Herdecke gelingen kann, ihre mittelzentrale Versorgungsfunktion in Zukunft besser auszufüllen und mit welchen Auswirkungen auf die vorhandene Innenstadt und ihre Einzelhandelsfunktion sowie die Versorgungsfunktionen benachbarter Städte durch das Neue Stadtquartier an der Ruhr zu rechnen ist.

Das Konzept beinhaltet folgende Schwerpunkte:

  • Eine Gesamtstädtische Analyse von Angebots- und Nachfragestrukturen des Einzelhandels
  • Ein Standortentwicklungskonzept für den Herdecker Einzelhandel unter besonderer Berücksichtigung der Planungen auf dem Westfalia-Surge-Gelände
  • Handlungsempfehlungen zur Sicherung der Attraktivität und der Leistungsfähigkeit der Innenstadt und der Nahversorgungsschwerpunkte

Im Jahr 2011 wurde das Konzept durch eine Überprüfung der Leitziele zur Entwicklung des Mittelzentrums Herdecke, eine neue Abgrenzung der zentralen Versorgungsbereiche und die neue Herdecker Sortimentsliste ergänzt.

Zentrale Versorgungsbereiche sind räumlich abgrenzbare Bereiche mit Einzelhandelsnutzungen, denen eine Versorgungsfunktion für die Gemeinde oder Teilbereiche der Gemeinde zukommt und die somit die Funktion eines Zentrums erfüllen. Sie spielen für die Sicherstellung der Nahversorgung in einer Gemeinde eine wichtige Rolle. Daher unterliegen sie im Planungsrecht einem besonderen Schutz. Ziel ist es, die zentralen Versorgungsbereiche in ihrer Funktionsfähigkeit zu stärken. Die Sortimentsliste legt die zentrenrelevanten und nicht-zentrenrelevanten Einzelhandelssortimente fest.

Die Ergebnisse eines solchen Einzelhandelskonzeptes sind gemäß § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB bei der Aufstellung der Bauleitpläne durch die Gemeinde zu berücksichtigen. Bei der Aufstellung von Bebauungsplänen zur Steuerung von großflächigen Einzelhandelsbetrieben mit zentrenrelevantem Hauptsortiment ist darauf zu achten, dass diese nur innerhalb der zentralen Versorgungsbereiche entwickelt werden.