Kooperative Standortentwicklung Innenstadt

Ausgangssituation

 

Die Innenstadt Herdeckes bietet neben ihrem historischen Erscheinungsbild auch ein attraktives Dienstleistungs-, Gastronomie- und Einzelhandelsangebot. Eine Vielzahl kleiner, inhabergeführter Fachgeschäfte sowie ein ansprechender Branchen- und Angebotsmix zeichnen den Standort aus.

 

Der historische Charakter und die Kleinteiligkeit stellen gleichzeitig auch ein Hemmnis für eine zukunftsfähige Entwicklung des Bestands dar. Aufgrund von städtebaulichen Veränderungen in Herdecke, wie der anstehenden Realisierung des Projektes "Quartier Ruhr-Aue" sowie der zunehmenden Einzelhandelskonkurrenz im Umland, ist es notwendig, Ideen und Maßnahmen zu entwickeln, die die Qualitäten des Handelsstandortes "Herdecke" sichern und zu einer zukunftsfähigen Entwicklung des Bestandes beitragen.

 

Aus diesem Grund haben die städtische Wirtschaftsförderung und die Werbegemeinschaft Herdecke e.V. den Prozess der "Kooperativen Standortentwicklung" gestartet. Externe Unterstützung erhalten sie dabei durch die Innovationsagentur "Stadtumbau West NRW". Der Begriff "kooperativ" steht in diesem Zusammenhang für ein Miteinander von Einzelhandel, Immobilieneigentümern und Stadt. Charakteristisch für den Prozess ist, dass den betroffenen Unternehmern und Hauseigentümern des Projektgebietes von Anfang an die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit gegeben wurde. Projektgebiet ist die Herdecker Innenstadt mit der Hauptstraße bzw. der Fußgängerzone als zentrale Achse und deren Anbindungen.

 

Ziel des Projektes ist es, sowohl kurzfristige als auch mittel- bis langfristig wirksame Maßnahmen zu erarbeiten, die zu einer Sicherung und Verbesserung der Standortqualitäten der Herdecker Innenstadt beitragen.

Untersuchungsgebiet

Januar 2011 - Auftaktveranstaltung

 

Den offiziellen Beginn des Prozesses bildete die Auftaktveranstaltung am 19. Januar 2011, zu der die Wirtschaftsförderung und die Werbegemeinschaft Herdecke in den Ruhrfestsaal im Hotel Zweibrücker Hof einluden. Unterstützt von der Innovationsagentur "Stadtumbau West NRW", informierten die Veranstalter rund 100 ortsansässige Einzelhändler und Immobilienbesitzer über die Situation des Einzelhandels in der Innenstadt.

 

Ziel der Veranstaltung war es, neben der Darstellung des Sachstandes auch die Anwesenden vor Ort zu aktivieren und zur Mitarbeit zu bewegen sowie ihnen die Möglichkeit zu bieten, Problemlagen offen anzusprechen. Im Anschluss an die Veranstaltung konnten sich alle Anwesenden in "Mitmachkarten" eintragen und so zu bestimmten Themen der Standortentwicklung in der Herdecker Innenstadt Stellung nehmen.

Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster
Ein Besucher der Auftaktveranstaltung
Herr Hillebrand von der Werbegemeinschaft Herdecke
Voll besetzte Stuhlreihen im Ruhrfestsaal

2011 - Bestandsanalyse

 

Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung wurden von Seiten der Innovationsagentur "Stadtumbau NRW" eine Bestandsanalyse durchgeführt. Dazu wurden Immobilienbesitzer, Händler und Gastronomen befragt sowie die bestehende Handels- und Dienstleistungsstruktur der Innenstadt analysiert und bewertet. Auf Basis der Bestandserhebung wurde eine Stärken-Schwächen-Analyse erstellt, die eine wesentliche Grundlage für die weitere Arbeit darstellt.

 

Zu den Stärken der Herdecker Innenstadt zählen dabei unter anderem das Ambiente des historischen Stadtkerns und die Vielzahl inhabergeführter Geschäfte mit qualifizierter Beratung und gutem Service. Ebenfalls wurden die verkaufsoffenen Sonntage sowie die zunehmende Zahl der Fahrrad- und Wandertouristen als Potenzial hervorgehoben. Darüber hinaus findet sich ein sehr guter Besatz an Dienstleistungsbetrieben im Umfeld der Fußgängerzone. Dies gilt besonders für den Bereich der Gesundheitsdienstleister, die wiederum Frequenz für den ansässigen Handel schaffen.

 

Zu den Schwächen zählen neben den Lücken im vorhandenen Angebotssortiment, unter anderem auch die uneinheitlichen Geschäftsöffnungszeiten, das Fehlen von weiteren "Ankernutzungen" in der Fußgängerzone und die zum Teil nicht mehr zeitgemäße Gestaltung und Möblierung des öffentlichen Raumes.

 

Insgesamt bestehen für das Projektgebiet viele Chancen und Potenziale, die sich als Ansatz für eine zielgerichtete Entwicklung und Vermarktung eignen.

Leitbildoptionen

 

Die Ergebnisse der Analyse bildeten die Grundlage zur nachfolgenden Erarbeitung von drei Leitbildoptionen:

 

Leitbildoption 1: "Qualitätvoll und individuell leben, einkaufen und genießen in Herdecke". Kerngedanke dieses Leitbildes ist die Konzentration auf die eigenen Stärken des kleinteiligen Handels mit seinen hochwertigen Produkten und der kompetenten Beratung. Herdecke bietet mit seinen Cafes, Restaurants und Lokalen im attraktiven Stadtambiente beste Voraussetzungen dafür.

 

Leitbildoption 2: Herdecke - die Wohlfühlstadt für alle Generationen". Bei diesem Leitbild steht im Vordergrund, dass Einkaufen, Stadtbesuche oder einen Abend im Restaurant in Herdecke für alle Generationen ohne Hektik, Verkehrsgefährdung und Lärm möglich sein soll. Hierfür sprechen vor allem die gemütliche Atmosphäre der Stadt und die Konzentration zahlreicher, attraktiver Angebote auf engstem Raum.

 

Leitbildoption 3: "Herdecke - Stadtleben im Einklang mit der Natur" fordert die Verbindung von Stadt und Natur ohne Lärm, Stress und Verkehrsemissionen etc. Für dieses Leitbild sprechen vor allem die naturräumliche Situation Herdeckes mit Grünräumen, Wäldern, Wasserflächen und Hügeln und das damit verbundene Potenzial bei Wander- und Fahrradtouristen. Der entscheidende Vorteil ist die Nähe der Naturräume zum Stadtzentrum. Auch der Stadtkern bietet Ruhe und Grün, dessen Bedeutung und Wirkung durch entsprechende Angebote im Handels- und Gastronomiebereich unterstrichen und gestärkt werden kann.

 

Die vollständigen Ergebnisse der Bestandsanalyse sowie die Erläuterung der Leitbildvarianten finden Sie hier.

Mai 2011 - 2. Beteiligungsveranstaltung

 

In der 2. Beteiligungsveranstaltung am 26. Mai 2011 in der Aula des Friedrich-Harkort-Gymnasiums wurde den anwesenden Unternehmern und Immobilieneigentümern die Leitbilder und die ihnen zugeordneten Maßnahmen vorgestellt.

 

Aus den präsentierten Leitbildern konnten die beteiligten Akteure ihren favorisierten Entwurf für die zukünftige Innenstadtentwicklung Herdeckes wählen. Außerdem wurde den Anwesenden ermöglicht, sich in Arbeitsgruppen einzutragen. Aufgabe der Arbeitsgruppen ist es, sich mit der Realisierung der Handlungsfelder sowie mit der Entwicklung weiterer, dem Leitbild entsprechenden, Ideen zu befassen.

Das Publikum hörte einen interessanten Vortrag
Diskussionen am Rande der zweiten Beteiligungsveranstaltung

Juni 2011 - Präsentation auf dem Wochenmarkt

 

Um für die bis dahin entwickelten Ideen ein Feedback aus der Bürgerschaft zu bekommen, wurden die Leitbildoptionen am 16. Juni 2011 von Vertretern der Wirtschaftsförderung, der Werbegemeinschaft und der Innovationsagentur Stadtumbau NRW gemeinsam auf dem Herdecker Wochenmarkt vorgestellt. Die Bürgerschaft sollte dabei Gelegenheit erhalten, sich an der Diskussion über die Zukunft des Einzelhandels- Gastronomie- und Dienstleistungsstandortes Herdecke Innenstadt zu beteiligen und ihre Meinung, ihre Wünsche und Anregungen, aber auch ihre Kritik in die Waagschale zu werfen.

Favorisierte Leitbildoption

 

Sowohl als Ergebnis des 2. Treffens, wie auch im Verlauf der Vorstellung der Leitbildvarianten auf dem Herdecker Wochenmarkt, ließ sich feststellen, dass sich die überwiegende Mehrheit für die Leitbildoption 1 "Qualitätsvoll und individuell leben, einkaufen & genießen in Herdecke" aussprach. Aus den Leitbildvarianten 2 und 3 wurden zum Teil Handlungsfelder, die bei den beteiligten Akteuren und Bürgern Anklang fanden in die Leitbildvariante 1 übernommen.

Arbeitsgruppen

 

Aktuell erfolgt nun die Diskussion und Konkretisierung des Leitbildes sowie der zugehörigen Handlungsfelder in drei Arbeitsgruppen:

 

Arbeitsgruppe 1: "Aufwertung und Verbesserung des öffentlichen Raums"

 

Arbeitsgruppe 2: "Weiterentwicklung und Aufwertung von Einzelhandel und Immobilienbestand"

 

Arbeitsgruppe 3: "Werbung und Standortmarketing"

 

Die Arbeitsgruppen haben mittlerweile mehrmals getagt. Dabei wurde eine Vielzahl an Einzelmaßnahmen gesammelt, die zur Realisierung des Leitbildes beitragen sollen.

März 2012 - 3. Beteiligungsveranstaltung

 

Mehr als 60 Personen fanden sich im Zweibrücker Hof ein, um sich über die Entwicklung und den aktuellen Stand des Projektes zu informieren.

 

Herr Frössler von der Innovationsagentur Stadtumbau NRW informierte über die Arbeit des vergangenen Jahres. Dabei ging es um die vielfältigen Stärken der Herdecker Innenstadt, die zukünftig aber noch weiter ausgebaut werden sollen. Auch Franz Hillebrand, Vorstandsmitglied der Herdecker Werbegemeinschaft, sprach sich dafür aus, "die Stärken des Herdecker Einzelhandels zu erkennen und weiter auszubauen". Dazu sollen beispielsweise eine Broschüre und eine Internetseite entwickelt werden, die auf das Angebot an Einzelhandel und Gastronomie hinweisen.

 

Des Weiteren wurde über die Arbeit in den Arbeitsgruppen berichtet. Die anfänglich bestehenden drei Arbeitsgruppen wurden im Laufe des Prozesses zu zwei Gruppen zusammengefasst. In den Arbeitsgruppen soll es nun darum gehen, die gesammelten Maßnahmen und Strategien zu realisieren.

 

Weitere Informationen zu der dritten Beteiligungsveranstaltung finden Sie hier in dem ausführlichen Bericht.

Weitere Arbeitskreisarbeit

 

Seit dem Frühjahr 2012 haben die Akteure der "Kooperativen Standortentwicklung" ihre Arbeit in den beiden Arbeitskreisen "Öffentlicher Raum" und "Handel, Immobilien & Marketing" fortgeführt. Während der Arbeitskreis "Öffentlicher Raum" von Seiten des Amtes für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus koordiniert wird, begleitet die Werbegemeinschaft Herdecke e.V. den Arbeitskreis "Handel, Immobilien & Marketing". Nachdem bislang vor allem die Ideenfindung und Bewertung der Maßnahmen im Vordergrund standen, geht es seit dem Frühjahr verstärkt um die konkrete Realisierung und Finanzierung der gesammelten Maßnahmen.

 

Neben der Prüfung einer verbesserten Ausweisung der bestehenden innerstädtischen Parkplätze, wird von Seiten der Verwaltung ein Konzept zur Überplanung von Teilen der Fußgängerzone erarbeitet. Die Konzepterstellung wird neben Vorschlägen für Außenmobiliar und Spielgeräte auch Restriktionsflächen wie z.B. Aufstellflächen für Marktstände und Leitungen berücksichtigen. Darüber hinaus werden die Beleuchtung, die Hochbeete sowie der Baumbestand thematisiert. Um möglichst schnell zu sichtbaren Ergebnissen zu kommen, werden bereits kurzfristig die Bänke im unteren Teil der Fußgängerzone erneuert und ergänzt. Die Bänke entsprechen dem Typ, der auch in dem Quartier Ruhr-Aue zur Anwendung kommen wird (siehe Abbild). Außerdem wurden die großen Kupferschilder in den beiden Eingangsbereichen der Fußgängerzone bereits abgebaut. Als "Hingucker" sollen eventuell Kunstobjekte aufgestellt werden. Die Realisierungsmöglichkeiten hierfür werden zurzeit geprüft.

 

Während im Arbeitskreis "Öffentlicher Raum" die städtebaulichen Fragen im Vordergrund stehen, befasst sich der Arbeitskreis "Einzelhandel, Immobilienbestand und Marketing" mit Maßnahmen, die der Vermarktung und Qualitätssteigerung der Innenstadt, bzw. der dort ansässigen Unternehmen, dienen. Ein zentrales Element bildet dabei die Erarbeitung eines gemeinsamen Corporate Design (CD) und einer Internetseite für die Innenstadt.

 

Nach einem Auswahlverfahren wurde, die Agentur "smart media solutions GmbH" aus Menden mit der Erarbeitung der CD sowie der Internetseite beauftragt. Erste Vorschläge wurden von Seiten der Agentur im Mai 2012 in einem Workshop dem Arbeitskreis vorgestellt und gemeinsam weiter vertieft. Neben der gemeinsamen CD befasst sich der Arbeitskreis auch mit Maßnahmen zur Qualitätssicherung, bzw. -Zertifizierung in Gastronomie und Einzelhandel, der Vergütung von Parkgebühren, der Gewährleistung gemeinsamer Öffnungs- und Beleuchtungszeiten, der Zwischennutzung von Leerständen sowie der Immobiliengestaltung.

Juli 2012 - Beteiligungsveranstaltung des AK "Handel, Immobilien & Marketing"

 

Vor einer weitergehenden Bearbeitung der bis Dato erarbeiteten Vorschläge, sollten diese zunächst einem breiteren Publikum vorgestellt und ein Meinungsbild eingeholt werden. Zu diesem Anlass präsentierte der Arbeitskreis gemeinsam mit der Agentur "smart media solutions GmbH" am 03.07.2012 die Vorschläge einem Publikum von knapp 50 Unternehmern und Immobilieneigentümern im Ruhrfestsaal des Zweibrücker Hofs. So wurden ein gemeinsam entwickeltes Logo sowie eine Internetseite für den Standort Innenstadt vorgestellt und mit großer Zustimmung aufgenommen. Auch die Vorschläge zur Qualitätssicherung in Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung, die Vergütung von Parkgebühren, abgestimmten Öffnungs- und Beleuchtungszeiten der Geschäfte der Innenstadt sowie die Nutzung von leerstehenden Geschäftslokalen und die attraktive Gestaltung von Immobilien waren Themen und stießen ebenfalls auf große Zustimmung.

 

Aktuell findet eine ergänzende schriftliche Befragung der innerstädtischen Unternehmer und Immobilieneigentümer statt. Ziel der Befragung ist es, die in der Versammlung gewonnenen Eindrücke zu erhärten und eine verbindliche Beteiligung, insbesondere bei der Erstellung der Internetseite sicher zu stellen.