Koepchenwerk: Bürgermeisterin setzt sich für einen Erhalt ein

Das unter Denkmalschutz stehende Koepchenwerk (rechts auf dem Bild, mit den Rohrleitungen vom Maschinenhaus hoch zum Schieberhaus).

Am gestrigen Donnerstag, den 16. April hat der RWE-Konzern zu einem Ortstermin am Ufer des Hengsteysees geladen. Zahlreiche Politiker der Region und Verwaltungsmitarbeiter kamen am Koepchenwerk zusammen. Dr. Thomas Dymek, Leiter Technik Wasserkraft bei RWE, erläuterte gemeinsam mit Kollegen des Konzerns den gestellten Antrag auf Abriss des seit 1986 unter Denkmalschutz gestellten Pumpspeicherkraftwerkes.

 

Das Koepchenwerk hat RWE in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Euro für die Instandhaltung der Anlagenteile – also Maschinenhaus, Schieberhaus und Hangrohrleitungen – gekostet. Seit 1994 ist die Altanlage außer Betrieb gesetzt. Für den weiteren Erhalt müsste der Konzern 7,5 Millionen Euro investieren. Betrachtet haben die Immobilienfachleute einen Zeitraum von 15 Jahren in die Zukunft. Eine alternative Nutzungsmöglichkeit ist nach Angaben von RWE ausgeschlossen. Sicherheitsaspekte sprechen dagegen. Denn die Anlage befinde sich auf einem Kraftwerksgelände, das dreiseitig von Hochspannungsleitungen umschlossen sei.

 

Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster zeigt Verständnis für die schwierige wirtschaftliche Situation, in dem sich das DAX-notierte Unternehmen befindet, verweist aber auch auf den Denkmalwert: „Das in den Jahren 1927 bis 1930 errichtete Koepchenwerk ist ein bedeutendes Industriedenkmal in unserer Stadt. Es ist baulich noch weitestgehend im Originalzustand erhalten und war eines der ersten mit dieser Technik, wenn nicht sogar das erste.“

 

Erbaut durch Arthur Koepchen erzeugte das Werk bis zur Errichtung einer neuen Anlage unmittelbar daneben im Jahre 1994 Strom durch Wasserkraft. „Oberste Priorität hat für mich der Erhalt des Energiestandortes in Herdecke“, macht Dr. Katja Strauss-Köster deutlich, doch dabei dürfe das, was das Denkmalrecht von jedem kleinen Fachwerkhausbesitzer abverlangt, hier nicht einfach ab acta gelegt werden. Ein Denkmal muss vom Eigentümer instand gehalten, sachgemäß behandelt und vor Gefährdungen geschützt werden, soweit ihm dies zumutbar ist. So schreibt es das Denkmalschutzgesetz des Landes NRW vor. Die Frage der Zumutbarkeit muss hier also geklärt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der unteren sowie der oberen Denkmalschutzbehörde werden am 29. April zum Amt für Denkmalpflege nach Münster fahren, um über den Abrissantrag zu beraten.

 

„Ich möchte und werde mit RWE im Dialog bleiben und versuchen, eine einvernehmliche Lösung hin zu bekommen, aber für mich steht fest: das Koepchenwerk ist ein erhaltenswertes Wahrzeichen der Region, wofür es sich lohnt, zu kämpfen“, macht die Bürgermeisterin deutlich. Dabei sollten in ihren Augen auch Überlegungen angestellt werden, ob nicht neue Technikteile zur Sicherung des Energiestandortes in das alte - 160 Meter lange und 20 Meter breite - Maschinenhaus am Seeufer integriert werden können.

 

Für Landrat Dr. Arnim Brux hat der Ortstermin deutlich gemacht, dass das Thema komplexer ist als zunächst erwartet. Bei allen technischen und finanziellen Herausforderungen hofft er auf eine Lösung, die es möglich macht, Teile des Koepchenwerkes als Landmarke zu erhalten. Schließlich ist dieses Pumpspeicherkraftwerk ein Beleg für die Industriegeschichte des Kreises. „Damit am Ende ein für alle tragbarer Kompromiss herauskommt, sind aber noch viele Gespräche nötig. Ideal wäre es, wenn es gelingen könnte, für die notwendigen Neuerungen auf vorhandene Gebäude zurückzugreifen.“

 

Der Herdecker Heimat- und Verkehrsverein hatte sich bereits im Vorfeld gegen die Aufhebung des Denkmalschutzes ausgesprochen und der Stadt Herdecke angeboten, die Bemühungen um den Erhalt zu unterstützen.