Herdecker Rundweg

Diesen Rundweg kann man natürlich an jeder beliebigen Stelle beginnen. Eine gute Möglichkeit mit guter Parkmöglichkeit in Herdecke befindet sich südöstlich des Mühlencenters an der Ruhr. In 200 Metern Entfernung findet man eine Bushaltestelle, an der alle Herdecker Buslinien zusammenlaufen, der Bahnhof Herdecke ist nur einen Kilometer entfernt, und auch die Anlegestelle der Harkortseefähre liegt in unmittelbarer Nähe.

Startet man in östliche Richtung, erreicht man nach etwa 1,5 Kilometer relativ ebener Strecke an der Ruhr (keltisch: (stürmisch) fließen) entlang das südliche Ende des Hengsteysees (das sogenannte Schiffswinkel).

Schiffswinkel

Im Jahr 1615 wird der Schiffswinkel erstmals als Familienname (Jörgen Schulte-Schepwinkel) erwähnt. „Winkel“ bedeutete noch im Mittelalter u.a. „schmale Gasse“. Die für die kleinen Kähne schiffbare Ruhr war am heutigen Schiffswinkel sehr schmal und bildete eine enge (Schiffs-)Gasse. Der zur Hagener Seite seicht ansteigende Gleithang ließ bei flachem Wasserstand vermutlich sogar ein Durchwaten der Ruhr an dieser Stelle zu. Der Name Schepwinkel verschwand schließlich im 18. Jahrhundert. Das Haus, an der sich auch eine Fährstelle über die Ruhr befunden hat, wurde explizit 1727 genannt, als es von der Äbtissin an Hans Jürgen Thielmann verpachtet worden ist. Heute befindet sich hier die Anlegestelle des Personenschiffes Freiherr vom Stein, das auf dem 1929 angelegten Hengsteysee fährt.

Hengsteysee

Der im Osten von Herdecke gelegene, gut 4 Kilometer lange und 300 Meter breite Hengsteysee, ist ein 1929 fertiggestellter Stausee, der ursprünglich als Flusskläranlage diente. Im Jahre 1895 erwarb der Schraubenfabrikant Wilhelm Funcke das Gelände des ehemaligen Ritterguts „Niedernhof“ der Herren von Ovelacker. Er errichtete eine Villa im neugotischen Stil, die wegen des burgähnlichen Aussehens auch „Villa Funckenburg“ genannt wurde. Um seine Schraubenfabrik in Hagen ohne Umwege erreichen zu können, ließ Funcke eine private Hängebrücke über die Ruhr bauen. Nachdem 1929 der Hengsteysee angelegt worden ist, wurden die Brücke und der nördliche Turm wieder abgetragen. Der südliche Turm steht noch- nun auf einer Insel im See. Hier siedelten sich Fledermäuse an. Im Volksmund wird er daher schlichtweg „Mäuseturm“ genannt. Die Grundmauern des alten Schlosses sind heute nur noch aus der Luft zu erkennen, denn sie befinden sich versunken im Hengsteysee etwa 150 Meter südlich des Koepchen Pumpspeicherkraftwerks.

Von Karfreitag bis Mitte Oktober fährt das Fahrgastschiff „Freiherr vom Stein“ zwischen der Anlegestelle „Am Schiffswinkel“ in Herdecke und der Lennemündung. Aber der Hengsteysee lädt auch zum Ruder- und Tretbootfahren, zum Kanu- und Segelsport ein, und am Ufer verlaufen Wander- und Fahrradwege.

Nun geht es weiter geradeaus am See entlang, bevor man nach dem Koepchenwerk links die steilen Hänge des Kleffs (= steiler Berg oder Klippe) erklimmen muss.

Koepchenwerk

Dieses Pumpspeicherkraftwerk, benannt nach dessen Planer Arthur Koepchen, eröffnete im Jahr 1930. Bei geringem Strombedarf pumpte man das Wasser in den See auf dem Berg; bei erhöhtem Strombedarf floss es bergab durch Turbinen und erzeugte Strom. In den Jahren 1985 bis 1989 wurde direkt angrenzend ans alte Werk am Seeufer das moderne Kraftwerk gebaut. Seit 2017 ging es in den Besitz der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur und wurde zum Denkmal ernannt.

Über den Klusenberg geht es eine steile Passage über die Hohensyburgstraße zum NSG Wannebachtal/ Fürstenbergholz. Hier biegt man nach Norden ab, folgt dem Weg am Restaurant Dieckmann’s vorbei zur Viermärker Eiche. Von hier folgt man den Straßen Am Ossenbrink und Im Siepen bis zum Fußweg Im Grund und diesem von dort bis zur Schanze. Dort geht es über den Vaerstenberg und dem Brauckmann’s Knapp bis zum Höhenrücken „Auf dem Schnee“.

Diese Bezeichnung stammt nicht davon, dass es hier häufiger schneit, als anderswo in Herdecke, sondern von „Schnade“, was Grenze bedeutet, denn die Straße bildet die Stadtgrenzen zu Dortmund bzw. Witten.

Im weiteren Verlauf am Ender der Straße Kermelberg überquert man den dortigen Kermelbach, um am Arenberg in das weitläufige Waldgebiet einzubiegen. Vor der Straße Gederfeldweg geht es an Feuerlöschteichen und Gut Mallinckrodt vorbei bis zur Ender Talstraße. Von hier folgt man dem Weg vorbei an Gut Schede vorbei.

Gut Schede

Gut Schede ist ein Adelssitz aus dem 9. Jahrhundert und liegt im so genannten Scheder Wald. Der Name stammt wie „Schnee“ oder „Schnodder“ von „Schnade“, also einer Grenze. Der nahegelegene Schnodderbach ist somit der Grenzbach zwischen Herdecke und unserer Nachbarstadt Wetter. Kurios aber bezeichnend an Gut Schede ist, dass es postalisch zu Herdecke gehört, aber eine wetteraner Telefonvorwahl hat. Der älteste Teil des Gutes ist ein Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert. Das Herrenhaus aus Ruhrsandstein wurde 1810 errichtet. Mitte des 18. Jahrhundert erwarb die Familie Harkort das Anwesen, denen es auch heute noch gehört. Das wohl berühmteste Mitglied dieser Dynastie war der Industrielle Friedrich Harkort, der nach seinem Tod im Jahr 1880 hier beigesetzt wurde.

Parallel zum Grenzbach Schnodderbach, dessen Namensstammt der gleiche ist wie „Schnee“ (von Grenze) steigt man wieder bis zur Wegeführung unterhalb des Oberen Dellenwegs hinauf, um dann über den Bausenweg und die Wetterstraße am Viadukt und dem Harkortsee wieder zur Ruhr zu gelangen.

Harkortsee

Der im Westen von Herdecke befindliche und 1931 fertiggestellte Harkortsee ist mit gut 3 Kilometern Länge und 330 Metern Breite etwas kleiner als der Hengsteysee. Genau wie dieser diente er aber auch als Flusskläranlage. Auch hier befördert ein Fahrgastschiff Gäste: die MS Friedrich-Harkort pendelt vom 1. April bis 31. Oktober zwischen der Anlegestelle Herdecke an der Ruhrbrücke und der Nachbarstadt Wetter. Das Schiff fungiert aber auch als Außenstelle des Standesamts Herdecke, so dass auf dem Wasser Trauungen vollzogen werden können. Pate für See und Schiff stand der so genannte „Vater des Ruhrgebiets“, Friedrich Harkort (1793-1880).

Wie auf dem Hengsteysee findet hier vielfach Wassersport, unter anderem des Ruderclubs Westfalen Herdecke, statt, sogar Kanupolo wird am Kanuclub Wetter gespielt. Auch am Harkortsee liegen an den Ufern Wander- und Radfahrwege.

Hier befindet sich eines der Wahrzeichen von Herdecke, der Viadukt.

Viadukt

Den Übergang von der Ruhr zum Harkortsee markiert ein Wahrzeichen der Stadt Herdecke: der 1878 fertiggestellte Viadukt. 1943 wurde die Eisenbahnbrücke bei der Möhneseekatastrophe schwer beschädigt, 1952 aber wiedererrichtet.

Dort biegt man nach links ab und folgt dem Weg an der Ruhr bis zurück zum Ausgangspunkt.