Wohnwünsche und barrierearmes Wohnen

Im vergangenen Jahr hat die Stadtverwaltung Herdecke zum Zwecke einer Wohnzufriedenheitsanalyse eine Befragung aller Herdecker Haushalte durchgeführt. Per Post erhielten die Bürgerinnen und Bürger einen 6-seitigen Fragebogen. Darin: Fragen zum Baujahr des Hauses, zum Alter der Bewohner oder auch zum Wohnumfeld. „Außerdem möchten wir die Wohnwünsche unserer Bürgerinnen und Bürger für die Zukunft, insbesondere die individuellen Anforderungen an das Wohnen im Alter abfragen“, macht Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster den Schwerpunkt der Umfrage deutlich.

In der Vergangenheit gab es deutschlandweit schon einige Meinungsumfragen zum Thema „Wohnwünsche und barrierearmer Wohnkomfort“ – meist jedoch ausschließlich an Wohneigentümer gerichtet. Der Demografiebeauftragte der Stadt, Rudolf Lüneborg, hatte dieses Muster für alle Herdecker Haushalte erweitert. „Denn nur die Vielfalt der hoffentlich zahlreich ausgefüllten Antworten kann eine nutzbare Auswertung bringen, die dann einen Querschnitt der Meinungen aller Herdecker abbildet“, hofft Rudolf Lüneborg.

Als wissenschaftliche Begleitung und Hilfe bei der Auswertung steht der Stadtverwaltung Frau Prof. Dr. Ulrike Klein vom Fachbereich Geodäsie der Hochschule Bochum mit ihrem Studienteam tatkräftig zur Seite. Unterstützt wurde die Stadt Herdecke bei dem Projekt auch vom Ennepe-Ruhr-Kreis und der EN-Agentur. Guido Michels vom Fachbereich Umwelt und Kataster beim Kreis stellte die Geoinformationsdaten zur Verfügung.

Einsendeschluss der ausgefüllten Fragebögen war der 20. Mai 2015.

 

Ergebnis: Auswertung der Umfrage

Die Ergebnisse der Auswertung wurden in der letzten Sitzung des Ausschusses für Soziales von Prof. Dr. Ulrike Klein und Christian Müller vom Fachbereich Geodäsie der Hochschule Bochum vorgestellt. Die Hochschule stand der Stadtverwaltung mit ihrem Studienteam als wissenschaftliche Begleitung tatkräftig zur Seite. Unterstützt wurde die Stadt Herdecke bei dem Projekt auch vom Ennepe-Ruhr-Kreis und der EN-Agentur.

 

„Insgesamt 13.461 Fragebögen wurden an die Herdecker Haushalte versendet, 2.060 analoge und digitale Fragebögen kamen ausgefüllt zurück“, fasst Klimaschutzmanager Jörg Piontek-Möller zusammen. Das entspricht einer Beteiligung von 15,3 Prozent und gilt als gute Rücklaufquote. Die Verteilung der Beteiligten bei der Wohnraumumfrage entspricht auch etwa der Bevölkerungsverteilung in den einzelnen Herdecker Stadtteilen.

 

Die Befragung hatte zwei Schwerpunkthemen: die aktuelle Wohnzufriedenheit mit besonderem Blick auf die zukünftigen Wohnwünsche der Herdecker Bürgerschaft.

Der Wohlfühlfaktor der Herdecker Bürgerschaft

Die Herdeckerinnen und Herdecker sind zufrieden mit ihrem Wohnumfeld. Das lässt die Auswertung des ersten Teils der Umfrage zur Wohnzufriedenheit deutlich erkennen. Der Wohlfühlfaktor liegt in allen Stadtteilen im hohen positiven Bereich. „Im Vergleich zu einer Befragung aus dem Jahr 2004 ist die Zufriedenheit der Herdecker sogar gestiegen“, so Jörg Piontek-Möller. Bei Betrachtung der Zufriedenheit mit den Angeboten und Infrastruktur in den einzelnen Stadtteilen sind jedoch deutliche Unterschiede zu erkennen. Die Stadtteile Nacken und Ahlenberg wurden durchschnittlich schlechter bewertet als Kirchende/Westende, Herrentisch/Sonnenstein und Altstadt/Innenstadt. Der Bereich Schraberg/Semberg/Schnee ist je nach Kategorie überwiegend im Mittelfeld zu finden. Zum Abschluss der Auswertung des ersten Teils konnten Verbesserungswünsche angegeben werden. Verbesserungsbedarf besteht nach Meinung der Befragten vor allem in den Bereichen „Verkehrssituation/Straßenzustand“ und „Allgemeine Versorgung“. Auch die „Öffentlichen Einrichtungen/Grünanlagen“, den „ÖPNV“ und die „Parkplatzsituation/-zustand“ haben laut Umfrage noch Potenzial.

 

Wohnwünsche der Herdeckerinnen und Herdecker

Im zweiten Teil der Umfrage ging es um die Wohnwünsche der Herdeckerinnen und Herdecker. Bei der Frage „Wie möchten Sie künftig wohnen?“ haben viele der Befragten angegeben, sich nicht in ihrer jetzigen Wohnsituation verändern zu wollen. Insgesamt geben 69 Prozent der befragten Personen an, dass sie möglichst lange in der jetzigen Wohnsituation wohnen bleiben möchten. 7 Prozent würden ihren Wohnraum gern verkleinern, andere 7 Prozent hingegen vergrößern. 6 Prozent planen, aus Herdecke wegzuziehen. Auf Stadtgebietsebene gaben insgesamt 39 Prozent an, keinen Umbau vorgesehen zu haben, 27 Prozent möchten notwendige Umbaumaßnahmen realisieren. 34 Prozent wünschen eine externe Versorgung oder Betreuung.

 

Ein Großteil der an der Umfrage beteiligten Bürgerinnen und Bürger, knapp 30 Prozent, würde bei einem notwendigen Umzug gerne in geeignetes Eigentum umziehen. Fast 24 Prozent würden die jetzige Wohnsituation gegen ein Leben im „betreuten Wohnen“ eintauschen, wohingegen nur 7 Prozent angaben, in ein Seniorenpflegeheim ziehen zu wollen. Weniger attraktiv scheint das Leben in einer Wohngemeinschaft.

 

Insgesamt lässt die Auswertung der Umfrage erkennen, dass die Bürgerzufriedenheit in Herdecke ausgesprochen hoch ist.

 

 

Da Herdecke in besonderem Maße vom demografischen Wandel betroffen ist, sind außerdem die Aspekte des barrierearmen Wohnens im Alter von besonderer Bedeutung. Auffällig viele Bürgerinnen und Bürger gaben an, möglichst lange ihre jetzige Wohnsituation beibehalten zu wollen. „Das ist zwar erfreulich und spricht für Herdecke als attraktiven Wohnraum im Alter, doch viele der Befragten haben sich laut Umfrage noch keine Gedanken über eine barrierearme Gestaltung ihrer Immobilie gemacht“, erklärt Jörg Piontek-Möller. Aufklärungsarbeit zu frühzeitigen Anpassungen an die besonderen Wohnbedürfnisse im Alter können an dieser Stelle helfen, um den Lebensstandard bis ins hohe Alter beibehalten zu können. Dies trifft natürlich besonders für Eigentümerinnen und Eigentümer zu. Mieter hingegen sind darauf angewiesen, dass in Zukunft genügend barrierearmer Wohnraum zur Verfügung steht. Außerdem zeichnet sich unter den Befragten ein klarer Trend hin zu betreutem Wohnen ab. Das Ziel lautet: diesen Wünschen versuchen gerecht zu werden und damit frühzeitig ausreichend Kapazitäten im ambulanten Pflegedienst und entsprechenden Wohnraum zu schaffen.

 

„Durch die Ergebnisse der Befragung wissen Politik und Verwaltung nun besser, wo der Schuh drückt und in welchen Bereichen es Handlungsbedarf gibt“, so Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster, die allen Bürgerinnen und Bürgern für ihre Teilnahme an der Befragung dankt.

 

Der insgesamt 60-seitige Bericht zur Auswertung der Umfrage ist hier abrufbar (siehe Info-Kasten rechts oben).