Ideenworkshop im Werner Richard Saal: Bürgerinnen und Bürger bringen Ideen zur Folgenutzung städtischer Gebäude ein

Zu einem ersten Ideen-Workshop kamen am Dienstag, den 26. August 2014 knapp 50 Herdeckerinnen und Herdecker im Werner-Richard-Saal zusammen und folgten damit der Einladung von Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster. Nach einer kurzen Einführung durch die Verwaltung hieß es „Feuer frei“ für die Besucher. Es wurde diskutiert, Fragen gestellt und auch schon konkrete Ideen und Wünsche für eine Folgenutzung der Areale der Grundschulen im Dorf sowie Vinkenberg geäußert.

Städte und Gemeinden sind gefordert sich dem demografischen Wandel zu stellen und die damit einhergehenden Herausforderungen zu meistern. Die Gesellschaft wird nicht nur immer älter, sondern schrumpft auch deutlich. So prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung in Deutschland einen Rückgang der Bevölkerung bis zum Jahr 2050 um 16 Prozent. Umgerechnet auf Herdecke bedeutet dies 4.000 Einwohner weniger. Zugleich werden Durchschnittsalter und Lebenserwartung deutlich ansteigen, so dass über 65-jährige Menschen in Herdecke im Jahr 2030 mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Hinzu kommt: jedes Jahr sterben mehr Herdecker Bürger als geboren werden. Zu- und Wegzüge sind erfahrungsgemäß schwankend. Allerdings verteilt sich durch die immer größere Anzahl an 1-Personen-Haushalten und der Tatsache, dass die Ansprüche an die eigene Wohnfläche stetig steigen, der zur Verfügung stehende Wohnraum tendenziell auf immer weniger Personen. Wohnten früher häufig vierköpfige Familien auf 75 Quadratmetern, ist es heute keine Seltenheit, dass darin nur noch eine Person lebt.

In Summe bedeutet dies: Immer weniger Bürgerinnen und Bürger müssen die Kosten für die städtische Infrastruktur, dazu zählen Straßen, Kanäle und Gebäude ebenso wie Musikschule, Bücherei und Freibad, tragen. Besonders deutlich wird dies, wenn man einen Blick auf die Zahlen der Schülerinnen und Schüler wirft. Waren es im Jahre 1999 noch 1.052 Kinder, die in Herdecke zur Grundschule gegangen sind, ziehen in dem gerade begonnenen Schuljahr 2014/15 nur noch 722 Kinder mit ihrem Schulranzen los. Das sind 330 Kinder weniger als früher. Bei den stetig sinkenden Geburtenraten verwundert es nicht, dass die Anzahl der Kinder und Jugendlichen um über ein Drittel zurückgehen wird. Das zeigt auch die Zahl der Einschulungen: Sind es in 2014 noch fast 200 „I-Dötzchen“, werden im Jahr 2015 schon nur noch 150 Kinder eingeschult.

Die schlechte Haushaltslage lässt den Handlungsdruck zusätzlich wachsen. Neueste Entwicklungen, wie Einbrüche bei der Gewerbesteuer, steigende Asylbewerberzahlen und höhere Fallzahlen im Bereich der Hilfe zur Erziehung lassen das prognostizierte Defizit für das Jahr 2014 auf fast 10 Millionen Euro anwachsen. Für die Gebäudeinfrastruktur werden Jahr für Jahr rund 5 Millionen Euro aufgewendet. 

Zur Diskussion stehen das ehemalige Gebäude der Grundschule Vinkenberg sowie der Grundschule im Dorf. Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster möchte dabei die Bürgerinnen und Bürger ganz aktiv in die Überlegungen einbeziehen. Die beiden Gebäude, die zur Diskussion stehen, unterscheiden sich ganz wesentlich voneinander. So ist das Gebäude der Grundschule im Dorf marode, die 1.330 qm große ehemalige Vinkenbergschule dagegen in einem baulich und energetisch guten Zustand. Das bescheinigt Claudia Schulte, Leiterin der Abteilung Hochbau und Bauunterhaltung.  Beide Areale liegen zentral in einem Siedlungsgebiet und sind voll erschlossen.

Deutlich wurde bei dem ersten Workshop, dass sich die Anwesenden auf dem Gelände der abgängigen Grundschule im Dorf eine Entwicklung zum Wohnbauland vorstellen können. Die Ideen reichten dabei von einem barrierefreien Wohngebiet für ältere Menschen über eine Klimaschutzsiedlung bis hin zu einer gemischten Bauweise und Nutzung. Auch der Begriff des Mehrgenerationenwohnen wurde häufig genannt. Ausgeschlossen wurde hingegen sowohl von Bürgerschaft als auch von Seiten der Verwaltung das Ansiedeln von Industrie und Gewerbe. Dies gilt auch für das Gelände am Vinkenberg. Ideen zur Folgenutzung des Gebäudes sprudelten nicht in der Zahl, was aber auch verständlich ist. Weitere Entwicklungen müssen in die Überlegungen einfließen. So gilt es zum Beispiel abzuwarten, wie es mit der Inklusion von behinderten Kindern weitergeht.

Die Präsentation des Abends finden Sie im grauen Kasten.

Interessierte Teilnehmende bei den Ortsbegehungen an den Grundschulen

Insgesamt knapp 60 Personen trafen sich an den vergangenen zwei Tagen zu den angekündigten Ortsbegehungen am ehemaligen Gebäude der Grundschule Vinkenberg und der Grundschule im Dorf. Im Gespräch mit Bürgermeisterin Dr. Katja Strauss-Köster und den Kolleginnen und Kollegen aus der Stadtverwaltung, die zu diesen Begehungen eingeladen hatten, stellten die Interessierten zahlreiche Fragen und gaben Anregungen.