Biologische Vielfalt bewahren und Insekten schützen

Jährlich verschwinden zwei Prozent der Insekten weltweit. In 100 Jahren könnten sie ausgestorben sein, warnen Forscher. Pestizide, Monokulturen, zu wenig naturbelassene Wiesen sind einige Gründe. In vielen Städten sind Parkanlagen und Gärten geprägt von monotonen Rasen- und Schotterflächen, Kirschlorbeer, Rhododendren und zahlreichen weiteren fremdländischen Zierpflanzen. Für die heimische Insektenwelt sind diese Flächen nahezu wertlos.

Der Schwund der Insekten ist besorgniserregend und so gravierend, dass sofortiges Handeln vonnöten ist, um diesen negativen Trend zu stoppen und eine Verbesserung der Situation herbei zu führen. Mehr als 60 Prozent aller bekannten Tierarten sind Insekten. Sie bilden das breite Nahrungsfundament für viele Amphibien, Reptilien, Fische und Vögel. Und auch für den Menschen haben sie eine existenzielle Funktion: Sie bestäuben Obst, Gemüse und Futterpflanzen.

Die Stadt Herdecke möchte deshalb einen Beitrag dazu leisten, dem Rückgang der Insekten mit verschiedenen Maßnahmen entgegenzuwirken, um verloren gegangenen Lebensraum von Wildpflanzen und Insekten zurückzugewinnen. Auf innerstädtischen Flächen wird beispielsweise das Angebot an Blütenpflanzen und Blühwiesen erhöht. Diese Flächen verfügen über eine hohe Artenvielfalt und haben im Frühjahr und im Sommer außerdem auch eine ästhetische Erscheinung. Das oftmals gewohnte „ordentliche“ Bild einer gemähten Wiese kann dadurch allerdings nicht erreicht werden. In den Wintermonaten kann eine solche Fläche auch „unaufgeräumt“ und weniger ästhetisch wirken. Auch die Neuanlage von Wildblumenwiesen kann erst einmal zu Irritationen führen. Bis sich eine erste Blütenpracht zeigt, ist Geduld gefragt. Die Wiesen benötigen in der Regel einige Jahre, bis sie das gewünschte Ziel erreicht und sich stabilisiert haben. Die Stadtverwaltung bittet daher um Verständnis für Veränderungen in der Ästhetik. Ein hoher ökologischer Wert ist wiederum der Gewinn solcher Maßnahmen.

Die Stadt Herdecke arbeitet des Weiteren pestizidfrei. Der Einsatz hochwirksamer Pestizide führt zur Verarmung von Pflanzen- und Tierarten. Der Verzicht auf Pestizide ist daher ein wichtiger Beitrag gegen das Insektensterben.

Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt e.V."

Seit 2019 ist die Stadt Herdecke Mitglied beim Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt e.V.". Wichtigstes Ziel dieses Bündnisses ist der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Für Kommunen bietet dieses Bündnis unter anderem eine Plattform für den interkommunalen Austausch und liefert stetig Informationen über aktuelle Themen.

Weitere Infos zu dem Bündnis erhalten Sie auf der Webseite: www.kommbio.de

Was Sie tun können:

Da es auf dem Lande immer weniger blüht, wird die Stadt mit ihren Gärten und Brachflächen zunehmend zum Ersatzlebensraum für Wildbienen. Lassen Sie ihren Garten, Balkon oder ihre Terrasse aufblühen!

Schaffen Sie Nisthilfen für Wildbienen!

Stellen Sie eine Nisthilfe für Wildbienen in Ihrem Garten auf, lassen Sie Totholz liegen, oder schaffen Sie offene Sand- oder Lehmflächen. Damit bieten Sie wichtige Nistplätze für Wildbienen und andere Insekten. Übrigens, die Wildbienenarten, die sich hier einnisten, stechen nicht. Zusätzlich können Sie ein flaches Schälchen mit Wasser aufstellen, denn auch Bienen haben Durst!

Anleitungen zum Basteln solcher Nisthilfen stellen unter anderem der NABU und BUND zur Verfügung.

Pflanzen und erhalten Sie bienenfreundliche Sträucher und Bäume!

Pflanzen Sie bienenfreundliche Sträucher und Bäume für die Zukunft. Wildbienen fliegen auf heimische Arten wie Kornelkirsche, Vogelbeere, Schlehe, Wildrosen, Ahorn, Linde, Weißdorn und verschiedene Obstbaumsorten. Insbesondere in Zeiten mit wenig Nahrungsangebot (zum Anfang und zum Ende der Vegetationsperiode) sind heimische Baumarten – mit ihren vielen ungefüllten Blüten auf kleinem Raum – wichtige Pollenspender.

Wildblumenwiesen im eigenen Garten!

Wildblumenwiesen können auch im eigenen Garten angelegt werden und somit zur Artenvielfalt beitragen. Je nach Standort kann dies mit weniger oder mehr Aufwand umgesetzt werden. Im Idealfall wird dabei auf regionales Saatgut zurückgegriffen, um heimische und standortgerechte Pflanzen zu etablieren, die für unsere heimischen Insekten so wichtig sind. Außerdem sieht die blühende Vielfalt – vor allem im Frühjahr und Sommer – besonders ästhetisch aus.

Bitte bedenken Sie: Hier ist Geduld gefragt. Bis das gewünschte Ziel erreicht ist, kann es einige Zeit dauern.

Aufräumarbeiten ins Frühjahr verschieben!

Sobald die Blütezeit vorbei ist und das Laub fällt, will man vor dem Winter den Garten gerne in Ordnung bringen. Genau in dieser Zeit sind die Strukturen, die beispielsweise durch herabfallendes Laub entstehen, allerdings wichtig als Unterschlupf für Tierarten. Selbst Pflanzenstängel können für Insekten ein Quartier darstellen. Mit der Verschiebung der Aufräumarbeiten ins Frühjahr können Sie also zusätzlich einen großen Beitrag zum Artenschutz leisten.

Verzicht auf Steingärten!

Die Diskussion um sogenannte Steingärten ist besonders aktuell. Auch die Stadtverwaltung bittet um die Überlegung, ob es denn wirklich Schotter sein muss. Vor allem Vorgärten, die als Aushängeschild des Hauses gelten, sind oft in einem „ordentlichen“ und zugleich pflegeleichten Stil erwünscht. Durch Abdeckungen mit wasserdurchlässigem Vlies oder Folien verarmt jedoch das Bodenleben und die Artenvielfalt nimmt ab. Solche Anlagen haben daher keinen ökologischen Wert. Der Pflegeaufwand von Schotterflächen wird zudem unterschätzt und durch die Bodenbelagserwärmung wird die Luftqualität beeinträchtigt. Naturnahe Gärten schaffen im Gegenzug einen Erholungsraum, der unter anderem zur Artenvielfalt und Luftverbesserung beiträgt. Bitte überlegen Sie daher gut, ob es wirklich Schotter sein muss.

Verzicht auf Pestizide!

Bitte überlegen Sie gut, ob der Einsatz von Pestziden wirklich erforderlich ist. Es gibt viele biologische und mechanische Maßnahmen, um die geliebten Pflanzen zu schützen und zu erhalten. Beispielsweise können heimische Schädlingsfeinde als Nützlinge oder ungiftige Pheromone eingesetzt werden.

Einige Pestizide dürfen zudem nur durch „berufliche Anwender“ angewandt werden und einige sind im Freiland grundsätzlich nicht zulässig (bienengefährlich). Und: Nicht alle vermeintlichen "Schädlinge" oder "Unkräuter" stellen im Garten ein Problem dar. Schauen Sie, ob Sie diese Arten eventuell tolerieren oder sogar in Ihren Garten einbinden können.

Kaufen Sie Honig aus der Region!

Unterstützen Sie Imker aus Ihrer Region, die sich  für das Wohl der Honigbienen einsetzen.

Leisten auch Sie einen persönlichen Beitrag!

Schon ein bepflanzter Kübel mit heimischen insektenfreundlichen Pflanzen auf dem Balkon oder der Terrasse, ein Blumenkasten vor dem Fenster oder ein paar Quadratmeter des eigenen Gartens mit Blütenpflanzen helfen den Insekten. Machen Sie mit und helfen Sie damit Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Co!

Dabei entstehen Synergieeffekte! Die aufgeführten Tipps sind zum Teil auch für andere Arten hilfreich. Vögel profitieren beispielsweise ebenfalls von mehr Struktur- und Artenvielfalt und selbstverständlich von mehr Insekten als Nahrungsgrundlage. Der Igel freut sich im Winter über einen Unterschlupf in Ihrem Garten. Außerdem können Sie dadurch auch einen Beitrag zum Gewässerschutz, zur Luftverbesserung u. v. m. leisten.

Pate/in für Grünflächen

Unter dem Motto „Pate/in für Grünfläche gesucht“ ruft die Stadt zudem dazu auf, zahlreiche Flächen im Stadtgebiet mitzugestalten. Besonders für kleinere Flächen benötigt die Stadt die Unterstützung und das Engagement der Bürgerinnen und Bürgern.

Wer kann Patin / Pate werden?
Jeder ist herzlich willkommen, sich aktiv einzubringen und Herdecke mitzugestalten. Auch Gruppen und Gemeinschaften können Patenschaften übernehmen.

Was macht eine Patin / ein Pate?

Sie übernehmen die Pflege der Grünfläche. Pflege beinhaltet beispielsweise das Bewässern, den Rückschnitt der Bepflanzung und das Entfernen von Müll. Auch Neupflanzungen können Teil einer Patenschaft sein. Diese werden vorab mit der Stadtverwaltung abgestimmt.

Wie werde ich Patin / Pate?

Ein Anruf genügt. Teilen Sie uns Ihr Interesse an einer Patenschaft mit. Im persönlichen Gespräch können Fragen beantwortet und Gestaltung besprochen werden. Folgende Objekte auf städtischen Flächen eignen sich beispielsweise für Patenschaften:

  • Beete
  • Rasenflächen
  • Pflanzkübel

Nach Vereinbarung einer Patenschaft führt die Stadt einen Pflegegang zur Übergabe der Fläche durch. Die überlassene Fläche wird aus der Dauerpflege der Stadt entlassen, solange Sie eine Patenschaft wünschen. Individuelle Abstimmungen, wie beispielsweise die Gestaltung, können mit der Stadt vereinbart werden.

Plattform für Projekte und Inititativen in Herdecke

Setzen Sie die oben aufgeführten Tipps bereits um und verfügen über einen naturnahen Garten, an dem Sie und viele Tierarten Freude haben? Beeindruckt Ihr Garten mit einer Vielfalt heimischer Pflanzenarten und Sie möchten anderen zeigen, wie schön, erlebnisreich und vielfältig ein naturnaher Garten sein kann? Die Stadt Herdecke würde sich freuen, wenn Sie hier eine Plattform für Fotos Ihres Gartens und Ihre Tipps zum erfolgreichen Gärtnern nutzen. Nehmen Sie einfach Kontakt auf und Ihr Garten kann an dieser Stelle als Positivbeispiel aufgeführt werden.

Initiative "Herdecke blüht und summt" der Kita Westende

Um den Kindern einen ersten bewussten Blick auf den Naturschutz zu vermitteln, schloss sich die Kita Westende dem weltweiten Projekt „Unsere Stadt blüht und summt“ an.

"Wir begannen bereits im Frühjahr die Lebenswelt unserer Kinder, die Kita und teilweise die Haushalte mit den Kindern zu besäen und zu bepflanzen", berichtet Projektinitiatorin Anja Oye. Ein Ausflug zum Lehrbienenstand auf dem Hohenstein/ Witten stand auf dem Programm. Dort trafen die Kinder auf Bienen und viele andere Insekten, schauten sich zahlreiche Bilderbücher an und lernten Lieder und Fingerspiele zum Thema. Im Mai wurde am "Vatertag" gemeinsam mit Vätern und Kindern ein großes Insektenhotel gebaut.

Die Kinder kneteten Bienen-Pralinen aus Blumensamen, Wasser und Blumenerde, um sie bei Rewe Symalla in selbstgestalteten Tüten zu verschenken. Am 25.09.2019 stellte die Kita Westende in der Sparkasse Kirchende Schaukästen zu ihrem Projekt aus. Jeder Karton zeigte eine eigene kleine Welt und war dekoriert z.B. mit Bienen aus Luftballons, Blumen aus Krepppapier oder Filz u.v.m.. Die Ausstellung fand bei der Presse und bei der Leitung der Sparkassenfiliale großen Anklang.

Heike Zielasko von der GVS-Tageseinrichtung für Kinder „ Westende“ zu dem Projekt:
"Seit Januar 2019 blüht und summt es in unserer GVS - Tageseinrichtung in Herdecke Westende. Mit Hilfe von Frau Flüs von der Stadt Herdecke, der Dörken Stiftung und des Lehrbienenstandes am Hohenstein, unseren Eltern, den Kindern und einem engagierten, aktiven Kita Team sind bis heute viele Ideen und Aktionen umgesetzt worden, um unsere Bienen, Schmetterlinge u.v.a. Insekten vor dem Aussterben zu bewahren."

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, kein Mensch mehr." (Albert Einstein 1949)

Anbei einige Impressionen des Projektes: